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Thomas.B

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21

Tuesday, April 11th 2006, 12:56pm

Hallo Christian,
eben - wie sollte man einen halbwegs zuverlässigen Schutz gegen Manipulation auch erreichen? Zuschweißen, zukleben, ganz fiese Snap in's wie bei Siemens-Telefonen?
Ich glaube, daß sich die Gang der HG-Hersteller einfach etwas herausnimmt, um ihre ganz privaten Interessen durchzudrücken: Garantiefragen und Erschwerung von Reparaturen durch den Kunden.
Die Sicherheit dient dann der Bemäntelung. Vorschriften, welche die Dicken der Branche absolut nicht wollen, kommen auch nicht durch das Korruptionswirrwarr von Lobbyisten, Politikern, Regierungsbeamten usw.

Schauen wir mal in andere Branchen:
Autoindustrie: Es gibt da zwar einige unerfreuliche Ansätze, um Detailreparaturen zu unterbinden, aber aus Sicherheitsgründen sind die kaum begründbar. Die häufigste Fehlbedienung des Fahrzeuges - nämlich mit dem Gaspedal... - kann man sowieso (noch) nicht unterbinden bzw. nur sehr bedingt (ESP). Um den Faden weiterzuspinnen: Ein Zupf an der richtigen Sicherung (i.d.R. ohne Werkzeug im Fahrgastraum zugänglich) und schon nerven die kleinen elektronischen Helferlei beim driften nicht mehr. Nur blöd, wenn man dann doch nicht so gut ist.

Werkzeuge und Maschinen aller Art für den Heimwerker und Gartenbereich:
Von der Bohrmaschine bis zur Kettensäge - narrensicher ist das alles nicht. Die Kundschaft würde es auch nicht akzeptieren.

Heimelektronik:
Fernseher, PC, Stereoanlage - überall hat man ungehindert Zugang. Ein Schraubenzieherset für ein paar Euro reicht. Gerade in einem konventionellen CRT-TV oder Monitor, gibt es einige Stellen, wo man selbst nach dem ziehen des Netzsteckers besser nicht anfaßt.

Den Zwang zu besonders gesicherten Schrauben gibt es z.B. in der Explosionsschutztechnik - etwa bei der Verschraubung bzw. Verschraubungssicherung von druckfesten Gehäusen. Die entsprechenden Dreieckschrauben hat bestimmt jeder schon mal gesehen. Die Beschaffung eines passenden Adaptersets ist keine wirkliche Hürde. Man darf als Hersteller auch normale Inbus- oder Trox-Schrauben verwenden, wenn man den Schraubenkopf verklebt. Das ist dann schnell wieder ausgebohrt...

In der Militärtechnik gibt es ähnliche Systeme, die auf immer ausgefeiltere Art versiegelt werden. Da geht es um die schnelle Erkennung von Sabotage oder Spionage. Die übliche Paranoia der Militärbonzen eben. Nach dem (offensichtlichen) Bruch des Siegels geht es dann aber i.d.R. mit normalem Werkzeug weiter. Gerät / Waffe und Siegelsystem kommen i.d.R. von getrennten Herstellern.

Medizintechnik: Normale Schraubenköpfe und Siegel - eher eine Frage der Eichung und Haftung bei Fehlfunktionen, welche die Hersteller von sich aus machen.

Es sollte also schon erlaubt sein, die (Geschäfts-) Praktiken der HG-Hersteller zu hinterfragen. Jedenfalls muß man sie nicht kritiklos hinnehmen und sich über eine fiktiven Sicherheitsgewinn freuen.

Gruß
Thomas

Prinz

Sage

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Location: Gifhorn und Wolfenbüttel

Occupation: Armer Hausgeräte Techniker

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22

Tuesday, April 11th 2006, 3:56pm

Muß mal meinen Senf dazu geben

Quoted

Original von Thomas.B
Schauen wir mal in andere Branchen:
Autoindustrie: Es gibt da zwar einige unerfreuliche Ansätze, um Detailreparaturen zu unterbinden, aber aus Sicherheitsgründen sind die kaum begründbar. Die häufigste Fehlbedienung des Fahrzeuges - nämlich mit dem Gaspedal... - kann man sowieso (noch) nicht unterbinden bzw. nur sehr bedingt (ESP). Um den Faden weiterzuspinnen: Ein Zupf an der richtigen Sicherung (i.d.R. ohne Werkzeug im Fahrgastraum zugänglich) und schon nerven die kleinen elektronischen Helferlei beim driften nicht mehr. Nur blöd, wenn man dann doch nicht so gut ist.


Hat aber teilweise auch Sinn kenne aus persönlicher Erfahrung son Fall im Autobereich. Brauchte mal für Porschebremsen die Kolben + Dichtungen meinst du als "Laie" bekommst du die nichts zu machen (man soll ja auch als "Laie an den Teile nicht rum Doktern) da mein Bekanter in der Werkstatt arbeitet hat er die bestellt war dann kein Problem.
Nur für nicht Mutige :P
1.Freischalten
2.Gegen Wiedereinschalten sichern
3.Spannungsfreiheit allpolig feststellen
4.Erden und kurzschließen
5.Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
hausgeraeteklinik@t-online.de aber nur anschreiben wenn es wichtig ist und spam dürft Ihr behalten :aufreg:

Thomas.B

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Occupation: Entw.-Ing.

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23

Tuesday, April 11th 2006, 6:19pm

@ Prinz:

"Porschebremsen" - soso - und dann jammert ihr immer, daß man als HGT heutzutage am Hungertuch nagt...

Bei Porsche ist das primär Abzocke. Die wollen die Kunden mit allem Mitteln in die Vertragswerkstätten zwingen und dort heftigst abkassieren. Speziell die Stopper des 911er sind da regelrecht legendär - jetzt mal nicht bezogen auf die Bremsleistung, die ja wirklich gut ist.
Allgemein muß man sich bei verschlissenen Bremssätteln überlegen, ob man da noch neue Koben, Dichtungen und Manschetten einbaut. Oft sind die Dichtflächen der Sättel durch Korrosion angegriffen. Wenn die Preise nicht so abartig wären, sollte man die Sättel komplett tauschen oder ggf. in einer Spezialfirma generalüberholen lassen. - Wie auch immer: Wenn ein Hersteller Ersatzteile nicht liefern will oder nur in Form von großen Gesamtbaugruppen, ist m.E. schon mal der Wurm drin. Bei Verschleißteilen wie im Bremsenbereich geht das schon mal gar nicht.

Ansonsten ist die Technik im Porsche recht übersichtlich und geradlinig. Warum die Dinger so wahnwitzig teuer sind, ist auch nicht einzusehen. Normalerweise sollte damit jeder Autoschrauber zurecht kommen. Interessant sich teilweise die Materialien - meistens um Masse zu sparen. Im Zweifel: O-Teile, WHB studieren und Drehmomentschlüssel verwenden.
Bei Motorrädern ist das noch krasser. Kein Grund, deswegen den Verkauf von Ersatzteilen zu reglementieren oder durch irgendwelche (Fehl-) Konstruktionen die Reparaturfähigkeit einzuschränken.

Speziell bei Bremsen gilt auch folgendes:
Neue Beläge sollten sanft eingebremst werden, damit sie nicht partiell überhitzen und verglasen. Eine Vorschrift, die zu einem rabiaten Bremsentest auf dem Bremsenprüfstand nach der Reparatur zwingt, wäre das letzte, was der Kunde braucht. Der wird darüber belehrt, daß er es die nächsten paar 100km ruhig angehen sollte und ggf. nach einer Vollbremsung aus hoher Geschwindigkeit die Sache noch mal nachsehen lassen soll - wegen einseitig ziehen etc. Bei Reifen ist es ja das gleiche in hellgrün und da denkt sich auch keiner etwas dabei. Oder bei neuen Felgen. Am kann doch nicht alle Bauteile halb zu Tode prüfen oder voraltern.

Um die Kurve zur Mikrowelle zu kriegen: In anderen Branchen - auch welchen, die weitaus gefahrenträchtiger sind - geht es auch ohne vergleichbare Restriktionen. Woran das wohl liegen mag?

Gruß
Thomas

Elektro-Service

Unregistered

24

Monday, April 17th 2006, 9:47am

Interessantes Thema.............

An anderer Stelle in diesem Forum hatte ich schon mal bedauert, dass es in Deutschland keinen Mittelweg mehr gibt.
Sicherlich sind 0701 / 0100 und UVV begründet und auch wichtig. Nur sollte doch in gewissen Bereichen den Fachleuten die Entscheidung überlassen bleiben, welchen Test sie durchführen.
Wenn ich beim Kunden die Lampe einer Mikrowelle auswechsle, mache ich den Dichtigkeisttest nur, um dem Kunden zu demonstrieren, dass ich ein seriöser, verantwortungsvoller Techniker bin und er mir vertrauen kann: reine Werbeveranstaltung; gleiche Ebene wie sauberes, korrektes Auftreten und geordneter Werkzeugkoffer.
Ein verbogener Deckel über der Leuchte würde mir allerdings einen Grund für einen Test liefern.....

Ein weisses Gerät in ordentlichem Allgemeinzustand liefert weniger Gründe für einen ausführlichen Test als ein "Müllhaufen". Sichtkontrolle ist selbstverständlich und der Schutzleiteranschluss in der Steckdose wird mit dem Phasenprüfer auf Funktion "getestet", Widerstände oder Querschnitte nach VDE bleiben dabei aussen vor.

Wenn ICH (!) als Meister beim Kunden weggehe, muss ich sicher sein, dass seine Familie realistische Überlebenschancen hat, so die Geräte sachgerecht benutzt werden.

Weiter oben wurde die Vielfalt der Vorschriften (zu Recht!) bemängelt. Genaugenommen müssten wir eine Palette Werkzeug, 5 Paletten Ersatzteile und einen Aktenschrank Ordner mit Vorschriften zum Kunden schleppen. Wer will (kann) das noch dann bezahlen?
Sarkastische Frage an die lesenden Meister: Wenn in eine Miele Wama ein BSH Ventil eingebaut wird, weil es im Wagen liegt und passt, wer übernimmt danach die Produkthaftung für das Gerät?

An dieser Stelle möchte ich kurz auf den thread "wahnwitzige E-Installation" verweisen. Sicherlich Extreme, die wir alle nicht wollen, aber wollen wir das Extrem, das wir jedes Jahr auf´s Neue übergebügelt bekommen?

EU-Vorschriften besagen, welche Gurken auf den Markt kommen dürfen. Warum darf ich nicht entscheiden, welche Gurke ich kaufen möchte?
(Nein liebe Kollegen, mit Gurke meinte ich jetzt kein Gerät, sondern tatsächlich das Gemüse :rolleyes: )

Beim LKW-Führerschein bringt man den pot. Fahrern bei, dass sie eine besondere Verantwortung tragen. Welche Art LKW-Unfälle passiert am Häufigsten? ... mangelnde Verantwortung! Bewiesen durch lange Lenkzeiten, Geschwindigkeitsüberschreitung oder Fehlverhalten während des Fahrens (Kaffeekochen, Zeitung lesen, Fernsehen)

Mein Fazit: die betroffenen Menschen müssen wieder mehr gefordert werden. Kunden wie Techniker!