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Strippe

Unregistered

1

Tuesday, March 20th 2007, 10:47am

Erfahrung oder Wissen?

In einem anderen, ganz normalen thread mit einer fachlichen Frage sind die Beiträge leider etwas aus dem Ruder gelaufen. Statt über das eigentliche Thema wurde mehr über persönliche Qualifikation diskutiert.
Um das Thema nicht unterkommen zu lassen, aber den anderen thread auch nicht noch weiter zu belasten, habe ich hier mal neu eröffnet.

Der letzte Beitrag dort war:
***
Die Qualifikation (Meister, Techniker, Ingenieur) sagt noch nichts über die Erfahrung aus. Im Haushaltsgeräte-Bereich wird IMHO ohnehin nur 50 % mit "Wissen" gemeistert - der Rest ist Erfahrung.
***

Das ist m.E. absolut richtig. Rein mathematisch ergibt sich dann ein Verhältnis Wissen:Erfahrung von 50:50, schon nicht schlecht.
Was aber ist der Unterschied zwischen Wissen und Erfahrung?
Jemand, der heute von einem Lehrgang bei "Müller" kommt, hat sicherlich mehr Wissen als viele Andere. Dieses Wissen muss er dann in die Praxis umsetzen, eben an einem "Müller" Gerät. Gleichzeitig erweitert er auch seinen Horizont, da er dieses Wissen für andere Fabrikate mitverwenden kann (begrenzt).
Ein Mitarbeiter von Miele, BSH oder "Müller" hat zweifellos (nach kurzer Zeit) immenses Wissen, ist das aber mit Erfahrung gleichzusetzen?
Hinzu kommt die Zeit, die er bei den Kunden verbringt, verbunden mit Seminaren zum Thema "menschliches Verhalten", auch hier wieder das Umsetzen in die Praxis.

Insgesamt wage ich zu behaupten, dass doch eine gewisse Zeit (an Jahren) erforderlich ist, um "Erfahrung" zu sammeln.

2

Tuesday, March 20th 2007, 6:35pm

RE: Erfahrung oder Wissen?

Quoted

Original von Strippe
..................................................
Was aber ist der Unterschied zwischen Wissen und Erfahrung?..............................


Wenn der Spüler das Wasser nicht erwärmt, dann weisst du das er nicht heizt.
Wenn du dann auch noch Erfahrung hast, dann bestellst du nicht einfach eine Heizung oder zerlegst das halbe Gerät. :D
DIXI, da scheiss ich drauf

3

Tuesday, March 20th 2007, 6:49pm

Erfahrung ergibt doch Wissen, oder nicht?

Ich weiß was du meinst.

Man braucht zuerst mal Grundlagen, also ohmsches Gesetz und dergleichen. Wissen wie Strom funktioniert, wie man Schaltpläne liest, wie man mit Messgeräten umgeht. Das sollte jeder Elektriker kennen, trotzdem kann ein Elektriker eigentlich keine Waschmaschinen reparieren. Man braucht auch mechanisches Grundwissen, muss mit Abziehern und solchen Sachen umgehen können. Auch allgemeine Kenntnisse in Physik und Chemie sind ganz nützlich, nicht zu vergessen Kenntnis der Vorschriften. Psychologie für den Umgang mit den Kunden...

OK, wer das nun alles hat, der kann, zumindest theoretisch, Waschmaschinen reparieren. Der Unterschied zum erfahrenen Kollegen ist, daß der mehr als eine Maschine pro Tag schafft, weil er weiß wo der Feher wahrscheinlich liegt, und da also zuerst sucht, und nicht mit mehr oder weniger systematischer Vorgehensweise erst 100 Punkte abhakt, die sowieso nie kaputt sind. Der erfahrene Techniker weiß, wie das Programm ablaufen soll, wie sich die Maschine anhören soll, usw. Das ist kein Lehrbuchwissen, und nichts was man anders bekommt als durch jahrelange Erfahrung, ebenso wie die nötige Fingerfertigkeit.

Nun kommt die herstellspezifische Seite. Die Maschinen werden immer "elektronischer", und ohne die entsprechenden Schulungen, Unterlagen und Programme kann man nur noch die simplen Sachen erledigen, wie die gerissene Türdichtung. Aber auch hier gibt es außerdem noch die Erfahrung mit den Geräten des speziellen Herstellers.

Es gehört einfach beides zusammen, um einwandfreie Arbeit im Sinne des Kunden abliefern zu können. Dummerweise wird einem das nicht gedankt. Niemand kann den doppelten Stundensatz abrechnen, weil er nur die halbe Zeit braucht. Im Gegenteil, wenn man den Fehler schon kennt und in weigen Minuten behoben hat, ist der Kunde weniger bereit einem für Arbeit und Fahrt 50 Euro zu zahlen, als dem unerfahrenen / ungeschickten Kollegen, der ewig an der Maschine rumbastelt hinterher 200 Euro für schlechtere Arbeit zu geben, oder sich von dem sogar eine neue Maschine verkaufen zu lassen, weil ja "die ganze Elektronik kaputt ist, das lohnt nicht mehr".

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Occupation: Hausgerätetechniker und Technischer Redakteur

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4

Wednesday, March 21st 2007, 6:48am

Hallo,

Flachmann hat den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen. Mit "Wissen" meinte ich jetzt Wissen, das am in der Schule erwirbt. Eben allgemeine Dinge wie Spannung, Strom, Widerstand, ...

Jetzt kann man damit noch keine Waschmaschine reparieren. Wenn der Motor nicht mehr dreht, dann ist meistens der Stromkreis offen. Nun könnte, eine Wicklung unterbrochen, ein Kabel abgerissen oder die Elektronik eine kalte Lötstelle haben ...
Die Erfahrung sagt aber: Motorkohlen prüfen. Hat eigentlich mit elektrischen Wissen direkt nichts zu tun, ist aber ein Erfahrungswert.

Natürlich ergibt Erfahrung Wissen – Wissen, das man nicht in der Schule lernt. Die beiden Begriffe verschmelzen.

Auf unser pures Wissen müssen mir bei gänzlich unbekannten Geräten zurückgreifen, zu denen man gelegentlich gerufen wird (z. B. ein automatischer Brotteigrührer in einer Bäckerei. Hier muss dann den Fehler "von Null auf" suchen.

Grüße,

Christian

Strippe

Unregistered

5

Wednesday, March 21st 2007, 8:04am

Wie zu erwarten, wird es eher philosophisch, aber auch das scheinen Elektricktricker zu können... :))

Es läuft fast auf die Frage mit dem Huhn und dem Ei hinaus.
Ein gegenseitiges "Aufschaukeln" von Wissen und Erfahrung ist wohl die Realität.

Ohne zu widersprechen, möchte ich bei WISSEN aber die Lehre vernachlässigen, sondern von speziellem HausgeräteWISSEN sprechen. Das, was man über Schulungen erwirbt, oder eben hier ;)
Zumindest hat MIR in der Lehre Niemand erzählt, das in einer GSM Durchflussmengenmesser drin sind.....

Christian hat da zwei gute Beispiele gewählt.

Ein nicht drehender Motor führt schnell zu den Kohlen. Der Eine kennt den Maschinentyp und weiß, nach 6-7 Jahren sind (!) die Kohlen runter. Der Andere albert mit den 3 kleinen Kindern des Kunden und schliesst aus deren Existenz, dass sie viel Wäsche verursachen und die Kohlen schon nach 4 Jahren runter sind (sein können).

Bei dem Brotteigrührer besteht zur Maschine selbst absolut kein Wissen, unterstelle ich einfach mal. Mit dem E-technischen Grundwissen misst man sich durch die Maschine durch und hat gute Chancen den Fehler zu finden.
Die Erfahrung sagt mir, wo ich anfangen sollte.
Bei einem Rational Combidämpfer mit Climacontrol hilft nur noch Herstellerwissen weiter, die Erfahrung sagt lediglich, Finger weg.

Es überschneidet sich mit Sicherheit, oder baut aufeinander auf..........

Das liest man hier auch in einigen threads, wenn Leute mit Erfahrung sich äussern, ohne die Maschine konkret zu kennen.
"Könnte das nicht auch...?"

Prinz

Sage

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6

Wednesday, March 21st 2007, 8:31am

Quoted

Original von Strippe
Zumindest hat MIR in der Lehre Niemand erzählt, das in einer GSM Durchflussmengenmesser drin sind.....


Dem muß Ich mal wiedersprechen Ich hatte son alten Meister der hat mir in der Hinsicht alles beigebracht ist aber vieleicht auch ne Ausnahme.
Was hier aber vernachläsigt wurde Ich muß auch Lust haben mich in die Geräte rein zu versetzen und das Interesse muß da sein.
Ich kenne genug Elektriker die hätten zwar auch die Chance gehabt sich mit der Materie zu befassen (war zumindest in meinem Ausbildungsbetrieb so) aber die Lust war nicht da.
Durfte bei meinem letzten Arbeitgeber als Einstellungstest den Nachfolger der Miele G701 rep und das Ganze ohne Unterlagen und Hilfsmittel.
Nur für nicht Mutige :P
1.Freischalten
2.Gegen Wiedereinschalten sichern
3.Spannungsfreiheit allpolig feststellen
4.Erden und kurzschließen
5.Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
hausgeraeteklinik@t-online.de aber nur anschreiben wenn es wichtig ist und spam dürft Ihr behalten :aufreg:

Strippe

Unregistered

7

Wednesday, March 21st 2007, 9:31am

Meine Lehre war von 1971 -1974, da war eine Spülmaschine noch etwas anders aufgeabut als heute. :D
Zudem habe ich nicht auf Hausgeräten gelernt, sondern auf grauen Schiffen mit Kanonen drauf ;)

Damit wollte ich auch nur sagen, dass man nicht Alles wissen kann, es kommt schliesslich immer wieder was Neues.

In einem anderen thread habe ich gerade einen Beitrag von Markenprofi gelesen:

>habe heute bei einer schulung mit einen Uralt-Techniker gesprochen und wieder mal was dazu gelernt

Ich bin glücklich......... trallalalllalaaaa.......:springer:

Markenprofi

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8

Wednesday, March 21st 2007, 3:51pm

ich meine auch das man für unseren Beruf eine hörige Portion "Wissen" braucht , aber das "richtige" arbeiten erst mit der Erfahrung vorhanden ist und Erfahrungen sammeln nie endet.

Eins von etlichen möglichen Beispielen:

wer "Wissen" hat und Schaltpläne lesen kann findet sicher bei der Miele WM ohne Funktion den defekten Drucktastenschalter.

und wer Erfahrung hat tauscht auch die Türmanschette :P
Miele-BSH-Electrolux und sonst nichts :-)

Hoefo

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9

Wednesday, March 21st 2007, 5:32pm

Hey

Ich für meinen Teil würde da ganze mal wie folgt interpretieren.

Wissen ist das was ich von der Berufsschule, Büchern, oder Ausbildern als Grundlage erfahre. Also das ganze theoretische Zeug.

Damit kann ich aber noch lange nichts vernünftiges Anfangen, selbst wenn mir mein Ausbilder damals sagte das man zum schlitze schlagen nen Fäustel und einen Meißel benötigt und mir theoretisch erklärte wie es funktioniert, so muss ich doch das ganze erstmal in der Praxis ausführen um dann den für mich besten Weg zu finden einen Schlitz zu schlagen. Ergo benötige ich Theorie und Praxis -also Erfahrung oder Übung- damit ich zu einem vernünftigen Ergebniss komme.

Anders ausgedrückt hat es mal mein Fahrlerer, der sagte nach meiner bestandenen Fahrprüfung folgendes. Du hast zwar jetzt die Berechtigung ein Fahrzeug zu fahren, aber Fahren kannst Du erst wenn Du 50000km gefahren bist. Und ich würde sagen, Recht hatte er.

Nicht anders ist es im Kundendienst. Wenn ich nur theoretisches Wissen hab, werd ich draußen nicht der Fachmann sein der ich sein sollte.
Spannung tut weh, Strom macht klein, schwarz und häßlich.

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10

Thursday, March 22nd 2007, 6:59am

Boah - was habe ich da für eine Diskussion losgetreten. ;)

Ich brauch euren Ausführungen nichts mehr zuzufügen.


@Prinz: Freut mich für dich, dass du einen "echten" Altmeister hattest. Die gibt es ja zweifelsfrei, allerdings hört man von denen auch nicht die netten Sprüche wie "Ich hab schon Waschmaschinen repariert, als du noch in die Windel geschissen hast". Und die dann im nächsten Atemzug fluchen, warum der Motorkondensator beim Kollektormotor derart versteckt verbaut wurde. :D

Strippe

Unregistered

11

Thursday, March 22nd 2007, 9:14am

Ist doch auch was Schönes, mal nicht über technische Probleme zu dikutieren.....

Das in der Lehre erworbene Wissen ist sicherlich immer wieder zu ergänzen durch Neuerungen in der Technik. Gerade geht ja wieder die CeBit zu Ende, dort wird sicherlich auch Wissen vermittelt.
Und natürlich ganz komprimiert bei den Schulungen der Hersteller oder Infotagen im Großhandel.

Klar geworden ist sicherlich, dass Beides benötigt wird, um den Job ordentlich zu machen. Die Verteilung 50:50 ist wohl eher ein statistischer Wert, in der Praxis wird das von Person zu Person unterschiedlich sein.
Der Meister mit dem Standartspruch der Windeln ist ebenso vertreten wie der Jungspund, der gerade mal eine Schulung hinter sich hat und meint, dort die Weisheit mit großem Löffeln gefressen zu haben.

Zwischenzeitlich habe ich auch mal Wikipedia bemüht.
Wer es genau wissen will, kann da ja mal unter "Wissen" nachschlagen........ ?(

Jürgi

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Posts: 48

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Occupation: Ing. grad.

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12

Friday, May 11th 2007, 9:44pm

Danke für das Thema

Schade, ich hab das Thema erst jetzt gelesen:
Prima, das ihr das diskutiert!

Und etwas ist fast unterbelichtet dabei. Prinz hat es angeschnitten: die "Lust".
Natürlich muss man etwas "wissen", ob durch Gehirntraining (Lehre, Studium oder durch Versuch und Irrtum).
Und man muss auch etwas "können", durch Übung (Erfahrung).
Und man braucht auch Antrieb (Lust, "wollen").

- Mancher weiß wie es geht und auch warum,
- vielleicht kann er es auch,
- aber will er auch, auch sorgfälltig genug?

Danke für das Thema
Jürgen

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Location: HU MKK

Occupation: Kfm.Angestellt, qualifizierter Selberschrauber :-)

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13

Thursday, August 2nd 2007, 9:28pm

Wissen oder nicht..

ich kann nicht sagen das man in der Schule alles lernt und das Material dort ist oft veraltet, Grundwissen ist natürlich wichtig (Physikalischen Grundwissen) aber eben alles ist eine Wissenschaft und hier kann selbst der beste Wissenschaftler falsch liegen, es wird ja viel über Wissenschaftliche Thesen gestritten und keine ist vollkommen.

Ich habe ein Jahr BVJ an einer technischen Berufsschule gemachta auch die Physik Unterricht der Grundschulen war sehr gut, ebenso habe ich mir selbst eine Menge Wissen beigebracht ohne eine Lehre im technischen Bereich gemacht zu haben.

Selbst Akademiker dort gibt es "blööde" die sich durchgeschummelt haben aber die Materie nocht begriffen haben, man muss sich auch selbst gegen die Meinugn anderer sein Wissen erarbeiten da ist dann Erfahrung und mehr wert als Jahrelange Schulbildung.

Wenn einer etwas besser kann als ich hat er mehr Erfahrung aber nicht umbedingt das gleiche Wissen. Mit anderen Worten, ich kann eine Maschine reparieren aber mit anderem Weg und gleichem Ergebnis, es wollen sich halt die mit "Meistebrief" immer hervorheben das erschwert auch den Aufbau einer Selbstständigkeit. Eben das der Lehrling/Geselle schraubt und Mist baut, und Meisterstunden werden berechnet das ist so eine Widerspruch (Der Meister müsste die Arbeit des Gesellen abschliessen prüfen tut es definitv aber NICHT) usw. usw. alles eine Frage der Ansicht
Das Leben ist kein Juhuu !
Wissen ist Macht, nix Wissen macht auch nix.
Intelligenz kann mehr Schaden anrichten als Dummheit.