@ Schmöllner:
40°C-Programme sind bei GSP eher selten. Mindestens 50°C sind es schon - oft 55°C als untere Grenze. Bei 40°C löst sich möglicherweise bei gewöhnlichen Mehrphasen-Tabs nicht einmal die Schicht für die Hauptphase schnell genug auf.
Bei 50°C - spätestens bei 55°C - werden die meisten Bakterien getötet. Die Fettlösung wird ebenfalls ausreichend unterstützt. Beim Geschirrspülen von Hand erreicht man diese Temperaturen kaum. Selbst mit Handschuhen wird es dann unangenehm und auch ungesund.
Eine weiterer Aspekt sind die GSP-Reiniger. Die Flotte wird stark alkalisch, was in dieser Stärke für Handspülmittel vollkommen inakzeptabel wäre. Das wirkt sowohl fettlösend wie auch desinfizierend.
Sicher ist es kein Fehler, von Zeit zu Zeit unempfindliches Geschirr auch mal mit 65°C oder 70°C - je nach dem, was der GSP anbietet - spülen zu lassen. Zielrichtung: Lösen von Seifen (weniger Fetten und Ölen) im GSP und in der dünnen Abwasserinstallation bis zum Fallrohr.
Grundsätzlich ist ein GSP - auch mit relativ niedriger Temperatur - gegenüber dem Handspülen hygienisch gesehen ein erheblicher Fortschritt und das trotz geringerer Wassermenge, geringerem Stromverbrauch (wenn auch beim Handspülen das Wasser elektrisch erwärmt wird) und absolutem Reinigungsmittelverbrauch. Eine vollständige Desinfektion ist mit einem GSP weder möglich noch erforderlich. Sie würde auch durch die spätere Handhabung und Lagerung des Geschirrs ganz schnell wieder aufgehoben - mal abgesehen davon, daß es einfach nur hysterischer Quatsch wäre.
Im Bereich der Aufbereitung von Operationsbestecken gibt es so etwas ähnliches wie GSP. Die nennen sich RDG - Reinigungs- und Desinfektionsgeräte. Im Prinzip sind das GSP (es gibt sogar welche von Miele...) - aber mit einigen Unterschieden:
- Türen auf zwei Seiten in getrennten Räumen (unreine und reine Seite)
- mehrere Spülflotten
- Temperaturen bis 94°C
- extrem aggressiver Reiniger; die Spülflotte erreicht zwischenzeitlich einen pH-Wert von 10 - allerdings nicht zeitgleich mit den genannten 94°C
- verschiedene Maßnahmen, welche den Austausch von Keimen mit der Umgebungsluft weitgehend unterbinden
Das ist alles extrem aufwendig und setzt selbst den vorwiegend aus sehr hochwertigem Edelstahl und vergleichbaren Materialien bestehenden Instrumenten mit der Zeit merklich zu. Trotzdem sind die Instrumente danach "nur" gereinigt und desinfiziert - keinesfalls steril. Mit den Instrumenten kann nun gefahrlos umgegangen werden, auch wenn der zuvor damit behandelte Patient gefährliche Keime hatte. Um die Instrumente erneut verwenden zu können, müssen sie nun sterilisiert werden - fast immer mit Dampf und einem speziellem Vakuumverfahren. Dabei wirken übrigens weit mehr physikalische Effekte, als die schiere Temperatur. Und trotzdem: zumindest rein statistisch und theoretisch ist das Material danach immer noch nicht 100%-ig keimfrei. Aber es ist so keimfrei, daß man es bei sachgerechter Lagerung eine gewisse Zeit lang (Tage, Wochen...) mit vertretbarem Risiko für eine erneute Operation nutzen kann.
Ich muß immer (etwas säuerlich...) lachen, wenn bei den Verbandskästen für Autos etc. von Ablaufdaten und nicht mehr sterilem Verbandsmaterial gefaselt wird. Das ist Abzocke, Geschäftemacherei und Verschwendung. Wirklich begrenzende Faktoren sind so profane Kriterien, wie die Klebekraft von Pflastern und ggf. die Elastizität und Stabilität der Handschuhe, die ohnehin mehr eine psychologische Funktion für die Helfenden haben sollen - das aber erst nach viel längerer Zeit.
Sorry, daß es ziemlich OT geworden ist, aber wir lassen uns viel zu sehr von der Werbung etc. manipulieren. Da wird den Leuten u.a. ein Hygieneverhalten suggeriert, was nicht nur ihrem Portemonnaie, sondern auch ihrer Gesundheit und natürlich der Umwelt schadet.
Gruß
Thomas